Kurz gesagt

Jagen ist angeborenes Verhalten und belohnt sich selbst, deshalb hilft Strafe nicht. Verhindere zuerst, dass dein Hund Erfolg hat: Schleppleine überall dort, wo Wild sein kann. Gleichzeitig übst du Rückruf und Impulskontrolle in kleinen Schritten und bietest erlaubte Ersatzspiele für die Nase an. Bei starkem Jagdverhalten gehört Fachbegleitung vor Ort dazu.

Inhalt dieser Seite
  1. Warum Hunde jagen und Strafe nichts bringt
  2. Frühwarnzeichen: den Moment vor dem Start erkennen
  3. Sicherheit zuerst: Management im Alltag
  4. Training in sechs Schritten
  5. Was du besser lässt

Warum Hunde jagen und Strafe nichts bringt

Jagdverhalten steckt in jedem Hund, bei manchen stärker, bei anderen kaum spürbar. Die Veterinärmedizinische Universität Wien zählt es zum angeborenen Instinktverhalten. Dafür soll ein Hund nie bestraft werden; Ziel ist, ihm die Gelegenheit zu nehmen und das Verhalten umzulenken.

Das hat einen guten Grund. Die Jagd selbst ist für den Hund die Belohnung, das Rennen, das Verfolgen, die Aufregung. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz schreibt, dass Strafreize bei solch selbstbelohnendem Verhalten entweder wirkungslos bleiben oder sehr schmerzhaft sein müssten, und dass Fehlverknüpfungen drohen.

Viele Halter sind überrascht, wenn ihr Hund plötzlich jagt. Das TVT-Merkblatt zur Aufnahme eines Hundes erklärt, dass Jagdverhalten oft erst auftritt, wenn sich ein Hund im neuen Zuhause eingelebt hat. „Das hat er früher nie gemacht“ ist also kein Widerspruch.

Frühwarnzeichen: den Moment vor dem Start erkennen

Die meisten Hunde starten nicht aus dem Nichts. Kurz vorher verändert sich ihre Körpersprache, und wer diese Zeichen kennt, hat ein paar Sekunden Vorsprung.

  • Der Kopf geht hoch, die Nase prüft die Luft, oder sie klebt plötzlich intensiv am Boden.
  • Der Körper wird steif, dein Hund erstarrt mitten in der Bewegung.
  • Ohren und Blick richten sich fest auf einen Punkt im Feld oder Gebüsch.
  • Er reagiert nicht mehr auf leise Ansprache, die sonst sofort klappt.

Beobachte deinen Hund bei Spaziergängen gezielt und notiere, welche Zeichen er zeigt. Genau in diesem Moment, nicht erst beim Losrennen, setzt später dein Training an.

Sicherheit zuerst: Management im Alltag

Solange dein Hund jagt, ist das wichtigste Ziel, dass er keinen Erfolg mehr hat. Jede gelungene Hetzjagd verstärkt das Verhalten. Deshalb kommt Management vor Training, nicht danach.

In der Praxis heißt das: Schleppleine an einem gut sitzenden Brustgeschirr überall dort, wo Wild, Katzen oder Weidetiere auftauchen können. Dazu kommen Wege, die du gut überblickst, und Spaziergänge, bei denen du aufmerksam bist statt am Handy. In vielen Gegenden gelten außerdem Leinenregeln im Wald oder in bestimmten Jahreszeiten, die dir deine Gemeinde nennt.

Training in sechs Schritten

Für die Methodik des Anti-Jagd-Trainings gibt es keine einheitliche Fachleitlinie. Die folgenden Schritte bauen auf belohnungsbasiertem Lernen auf und helfen vielen Hunden, sie ersetzen bei starkem Jagdverhalten aber keine Begleitung vor Ort.

  1. Schleppleine als Standard. Sie ist dein Sicherheitsgurt, während der Rest des Trainings wächst. Gewöhne dich an den Umgang mit ihr, bevor du sie wirklich brauchst.
  2. Rückruf neu aufbauen. Ein Signal, das zu Hause, im Garten und auf ruhigen Wiesen zuverlässig klappt, ist die Grundlage. Wie das geht, steht im Ratgeber Rückruf beim Hund.
  3. Impulskontrolle zu Hause üben. Dein Hund lernt zu warten: vor dem Futternapf, vor der offenen Tür, bei einem Leckerli auf dem Boden, bis du es freigibst. So übt er Selbstbeherrschung, ohne dass ein Reh im Spiel ist.
  4. Jeden freiwilligen Blick belohnen. Schaut dein Hund draußen von sich aus zu dir, gibt es etwas Besonderes. Er lernt: Orientierung an dir lohnt sich, auch im Wald.
  5. Ein Abbruchsignal positiv aufbauen. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt, unerwünschtes Verhalten mit einem vorher freundlich aufgebauten Abbruchsignal oder einer Alternativhandlung zu unterbrechen. Übe es zuerst ohne Wild, mit leichten Reizen in der Wohnung.
  6. Erlaubte Jagdersatz-Spiele anbieten. Nasenarbeit, Futtersuche und Suchspiele geben dem Bedürfnis zu suchen und zu finden ein Ventil. Ideen dafür findest du im Ratgeber Hund zuhause beschäftigen.

Was du besser lässt

Hinterherrennen. Du holst deinen Hund ohnehin nicht ein, und die Situation wird für alle hektischer. Bleib stehen, ruf einmal und warte.

Schimpfen, wenn er zurückkommt. Er verbindet die Strafe mit dem Zurückkommen, nicht mit der Jagd. Die Vetmeduni Wien betont, einen Hund nie zu bestrafen, wenn er kommt, egal wie lange es gedauert hat.

Ableinen „zur Probe“. Ein guter Tag auf der Wiese ist noch kein sicherer Rückruf. Jede Probe, die schiefgeht, ist ein weiterer Jagderfolg.

Elektro- oder Sprühhalsbänder. Geräte mit Stromreizen sind in Deutschland verboten, Sprühhalsbänder zählt der Deutsche Tierschutzbund zu den Zwangsmethoden. Grundsätzlich lehnt er es ab, natürliches Verhalten wie das Verfolgen bewegter Objekte dauerhaft zu bestrafen.

Wann du Fachleute dazuholst: Jagt dein Hund sehr stark, hat er schon Wild oder andere Tiere erwischt oder rennt er dabei über Straßen, brauchst du Begleitung vor Ort. Die TVT weist darauf hin, dass ausgeprägtes Jagdverhalten zu Tierärztinnen und Tierärzten mit verhaltensmedizinischer Weiterbildung gehört. Wie du eine passende Adresse findest, steht unter Hundeschule in der Nähe finden.

Häufige Fragen

Kann man einem Hund das Jagen abgewöhnen?

Ganz abgewöhnen lässt sich ein angeborenes Verhalten nicht. Mit Management, Training und erlaubten Ersatzspielen können viele Hunde aber lernen, ansprechbar zu bleiben. Wie weit das gelingt, ist von Hund zu Hund sehr unterschiedlich.

Jagen manche Hunde mehr als andere?

Ja. Bei manchen Hunden wurden Teile des Jagdverhaltens gezielt gezüchtet, etwa das Verfolgen, Hüten oder Stöbern. Entscheidend ist aber dein einzelner Hund: Auch ein Mischling oder ein kleiner Begleithund kann stark jagen.

Ab wann darf mein Hund wieder ohne Leine laufen?

Erst wenn er an der Schleppleine auch mit Ablenkung zuverlässig auf deinen Rückruf reagiert. Dann zunächst an übersichtlichen Orten ohne Wild. In der Pubertät rät der VDH, wieder vermehrt anzuleinen, wenn der Rückruf unsicher wird.

Was tue ich, wenn mein Hund schon losgerannt ist?

Ruhig bleiben, einmal rufen und an der Stelle warten, an der er dich zuletzt gesehen hat. Kommt er zurück, empfängst du ihn freundlich und leinst ihn an. Danach überlegst du, wie du die nächste Situation früher erkennst.

Hilft ein Anti-Jagd-Halsband?

Nein. Stromreizgeräte sind in Deutschland verboten, und laut TVT drohen bei Strafreizen Fehlverknüpfungen mit Orten, Menschen oder anderen Tieren. Bei ängstlichen Hunden kann sich sogar das Wesen verändern.

Quellen