Kurz gesagt

Die Pubertät beginnt bei den meisten Hunden mit etwa sechs Monaten und kann laut VDH bis zu drei Jahre dauern. Dein Hund testet Grenzen und stellt bekannte Signale infrage. Bleib freundlich konsequent, übe Signale wieder dort, wo es leicht ist, und leine ihn an, sobald der Rückruf unsicher wird.

Inhalt dieser Seite
  1. Was in der Pubertät mit deinem Hund passiert
  2. Was du siehst, was dahintersteckt, was hilft
  3. So kommst du gemeinsam durch die Pubertät
  4. Typische Fehler in der Pubertät

Was in der Pubertät mit deinem Hund passiert

Dein Hund hat nichts verlernt, und du hast nichts falsch gemacht. Er wird erwachsen, und dabei sortiert sich in seinem Kopf und Körper vieles neu.

Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) beschreibt die Pubertät als Zeitraum ab etwa sechs Monaten bis zur Geschlechtsreife; bis der Hund körperlich und psychisch ganz erwachsen ist, kann es bis zu drei Jahre dauern. Kleinere Rassen sind oft früher dran.

Typisch sind laut VDH das Austesten von Grenzen, das Hinterfragen bekannter Signale, wenig Konzentration und eine erhöhte Empfindlichkeit. Hündinnen werden zum ersten Mal läufig, Rüden markieren häufiger.

Der Tierverhaltensmediziner Urs Luescher beschreibt, wie groß die Enttäuschung vieler Halter in dieser Zeit ist, weil der junge Hund scheinbar das Interesse an ihnen verliert. Wenn du dich gerade so fühlst, bist du in guter Gesellschaft. Und es ist eine Phase, kein Dauerzustand.

Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) weist darauf hin, dass manche Verhaltensweisen, etwa Jagdverhalten oder das Verteidigen von Futter und Spielzeug, erst nach dem Einleben im neuen Zuhause auftauchen. Bei Junghunden fällt das oft genau in diese Monate.

Was du siehst, was dahintersteckt, was hilft

Die Pubertät zeigt sich bei jedem Hund anders. Diese Übersicht hilft dir, typische Situationen einzuordnen:

Was du siehstWas oft dahinterstecktWas hilft
Der Rückruf klappt draußen nicht mehrDie Umwelt ist plötzlich spannender als du, Signale werden hinterfragtWieder anleinen oder Schleppleine, Rückruf neu aufbauen
Er zieht wieder an der LeineAufregung und neue ReizeStehen bleiben, erst bei lockerer Leine weitergehen
Ärger mit gleichgeschlechtlichen HundenHormone, Unsicherheit, AustestenAbstand halten, Hundeschule mit fachkundiger Aufsicht
Er erschrickt vor Dingen, die er kannteErhöhte Empfindlichkeit in dieser PhaseAbstand geben, nicht hinzwingen, ruhig bleiben
Rüde markiert drinnen oder überallTypisches Pubertätsverhalten laut VDHMehr Gelegenheit draußen, Stellen drinnen neutral reinigen

Luescher erwähnt außerdem mögliche weitere Angstphasen zwischen dem vierten und elften Lebensmonat, betont aber, dass diese wissenschaftlich nicht dokumentiert sind. Ob es sie gibt oder nicht: Ein junger Hund, der sich erschrickt, braucht Abstand und Sicherheit, keine Mutprobe.

So kommst du gemeinsam durch die Pubertät

  1. Signale wieder leicht machen. Übe „Sitz“, „Platz“ und den Rückruf wieder in ruhiger Umgebung, so wie beim Welpen. Der VDH nennt kurze Einheiten mit vier bis fünf Wiederholungen mehrmals am Tag, erst dann steigerst du die Ablenkung.
  2. Rückruf absichern. Ist der Rückruf im Freilauf unsicher, rät der VDH, den Hund wieder vermehrt anzuleinen. Mit einer Schleppleine hat er Bewegungsfreiheit, und du verhinderst, dass er lernt, dass Wegrennen sich lohnt.
  3. Nie bestrafen, wenn er kommt. Auch wenn er nach drei Rufen erst kommt: Lob ihn. Die Veterinärmedizinische Universität Wien betont, dass ein Hund, der herankommt, nie bestraft werden darf.
  4. Dranbleiben statt pausieren. Der VDH warnt davor, die Erziehung in der „Flegelphase“ in den Hintergrund treten zu lassen. Bekannte Signale forderst du freundlich, aber konsequent ein.
  5. Kopf auslasten, nicht nur Beine. Nasenarbeit, Futtersuchspiele und kleine Tricks fordern auch den Kopf, nicht nur die Beine. Danach fällt vielen Junghunden Ruhe leichter.
  6. Bei Problemen mit anderen Hunden Hilfe holen. Gibt es Schwierigkeiten mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen, empfiehlt der VDH eine Hundeschule mit professioneller Aufsicht.

Typische Fehler in der Pubertät

Mehr Druck, weil „er es doch kann“. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt den Leinenruck ab: Er unterbricht den Hund allenfalls kurz und kann eine Abneigung gegen Leine und Halsband auslösen. In einer Phase erhöhter Empfindlichkeit wiegt das doppelt.

Freilauf trotz unsicherem Rückruf. Jedes Mal, wenn dein Hund wegläuft und dabei Spaß hat, übt er genau das Falsche. Die Leine ist in dieser Zeit keine Strafe, sondern Schutz für euer Training.

Ängste „wegtrainieren“ durch Konfrontation. Die TVT bezeichnet Reizüberflutung und wiederholte Konfrontation mit belastenden Reizen als tierschutzwidrig. Abstand und kleine Schritte bringen mehr.

„Er will dominieren.“ Begriffe wie „Alphatier“ oder „Rudelstellung“ hält der Deutsche Tierschutzbund für veraltet. Dein Junghund ist nicht im Machtkampf mit dir, er ist mitten im Erwachsenwerden.

Wie du den Rückruf Schritt für Schritt neu aufbaust, erklärt der Ratgeber Rückruf beim Hund üben. Zieht er wieder an der Leine, hilft dir Hund zieht an der Leine weiter.

Wann du Hilfe vor Ort brauchst: Droht oder schnappt dein Junghund gegenüber Menschen, zeigt er starke Angst oder verändert sich sein Verhalten plötzlich deutlich, lass zuerst in der Tierarztpraxis körperliche Ursachen abklären. Für das weitere Training sind laut TVT bei ausgeprägter Angst oder Aggression Tierärztinnen und Tierärzte mit Schwerpunkt Verhaltensmedizin zuständig. Fragen zu Läufigkeit oder Kastration gehören ebenfalls in die Praxis.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Pubertät beim Hund?

Laut VDH beginnt sie bei den meisten Hunden mit etwa sechs Monaten, bei kleinen Rassen oft früher. Bis zur vollen körperlichen und psychischen Reife kann es bis zu drei Jahre dauern.

Woran erkenne ich, dass mein Hund in der Pubertät ist?

An Signalen, die plötzlich nicht mehr klappen, an wenig Konzentration und daran, dass er Grenzen austestet. Hündinnen werden zum ersten Mal läufig, Rüden markieren häufiger. Manche Hunde reagieren auch empfindlicher auf Dinge, die sie längst kannten.

Ist mein Hund jetzt ungehorsam oder dominant?

Weder noch. Er ist ein Jugendlicher, der die Welt neu sortiert. Begriffe wie „Alphatier“ hält der Deutsche Tierschutzbund für veraltet; was hilft, sind klare, freundliche Regeln und viel Belohnung.

Ab wann darf er wieder ohne Leine laufen?

Wenn der Rückruf an der Schleppleine auch mit Ablenkung zuverlässig klappt. Steigere die Schwierigkeit in kleinen Schritten und halte dich zunächst an übersichtliche, sichere Orte.

Lohnt sich jetzt noch eine Hundeschule?

Ja, besonders bei Problemen mit anderen Hunden. Der VDH empfiehlt in diesem Fall eine Hundeschule mit professioneller Aufsicht. Für die Grundsignale im Alltag kannst du auch zuhause weiterüben.

Quellen